Gambia 02

Nach einer Woche im Inland am Gambia-Fluss, wo ich bei einem Freund von 1-Jah untergekommen und nebenbei bemerkt erst krank und dann Gott sei Dank wieder gesund geworden war, war ich zurück bei Couchsurfer Malick in Latrikunda. Als erstes besuchte ich die „Gambia International Fashion Week“, die dem Namen zum Trotz tatsächlich nur einen Tag bzw. einen Abend füllte.

Ich hatte mich im Vorfeld mit dem Veranstalter in Verbindung gesetzt und er hatte gemeint, ich könne teilnehmen und fotografieren, wenn ich ihm die Fotos nachträglich zur Verfügung stellte. Das also war der Deal und während ich schon vor dem Laufsteg platziert in letzter Minute noch ChatGPT fragte, was denn die besten Kamera-Einstellungen in dieser Situation wären, kam ich mit einem Videografen ins Gespräch, der mir von einer Reggae-Party am nächsten Tag

erzählte.

Diese Party fand jeden Sonntag in einem Restaurant mit großem Innenhof namens „Alibaba“ im Ausgehviertel statt und war auf jeden Fall um einiges größer als die Party in Gunjur. Ich, die ja nach wie vor die Idee einer Reggae-Party-Fotostrecke mit mir rumtrug, fragte einen der DJs um Erlaubnis, um fotografieren zu können und er war mehr als fine damit. Ich mischte mich also unter die Leute, quatschte ein bisschen hier und fotografierte ein bisschen da und kehrte dann zur Bühne zurück. Dort sagte mir dann plötzlich einer der DJ-Crew, ich müsste die Kamera wegpacken. Anscheinend hatte der Ober-DJ der Crew, „DJ Fireman“, ein Problem damit und somit war die Sache erstmal gelaufen. Ich blieb noch ein paar Minuten in der Menge, dann ging ich nachhause.


Wie sich herausstellte war dieser Feuerwehmann von DJ Teil von so ziemlich jeder Reggae-Veranstaltung mit Rang und Namen in dieser Ecke des Landes. Toll. Ich schob die nächste Begegnung die Woche über ein wenig auf, am Freitag aber stellte ich mich der Situation. Sily, ein Couchsurfing-Freund aus Dakar, war für ein paar Tage nach Gambia gekommen. Nachdem wir den Tag über mit 1-Jah (der eigentlich Bafode hieß und von seinem Freund, den ich in Janjanbureh besucht hatte, aufgrund seines Energielevels „Power“ genannt wurde) eine Insel besucht hatten, auf der so gut wie alle Bewohner:innen unbehelligt Weed anbauten, gingen wir wieder einmal auf eine Reggae-Party. Ich vermied es zunächst, dem DJ-Pult zu nahe zu kommen und mischte mich stattdessen mit der Kamera mehr unter die Leute. Aber auch das erwies sich als schwierig genug. Die Mehrheit derer, denen ich mein Projekt erklärte, wollte nicht fotografiert werden. Die restlichen Leute standen so gestellt für das Foto, dass damit auch so gut wie keine Atmosphäre einzufangen war. Die kritische anti-kommerzielle Reggae-Crowd schien wirklich nicht das beste Match für ein paar ungezwungene Party-Fotos zu sein. An diesem Abend war ich kurz davor, das Vorhaben abzubrechen.

Aber einmal wollte ich es noch drauf ankommen lassen. Am nächsten Sonntag war ich also wieder im Alibaba. Zuvor war ich auf einer kleineren Vorab-Reggae-Party gewesen, wo alle so nett gewesen waren, dass ich wieder neuen Mut gefasst hatte. Und siehe da, im Alibaba sprach mich dann der Promoter von DJ Fireman an und sagte, sie hätten es sich überlegt und befürworteten die Fotos jetzt. Ich solle auch das Publikum fotografieren und die Fotos mit ihnen teilen. Hier schienen auch die Leute aufgeschlossener zu sein als bei der Freitagsparty. Und langsam wurde ich auch von einigen wiedererkannt als das Mädel mit der Kamera, das man hier oder da schon mal gesehen hatte (und was wie ich zumindest annahm, ja auch irgendwo ganz sympathisch war).

Für den nächsten Morgen um zehn Uhr hatte ich mich mit einem polnischen Journalisten verabredet, der auch Geschäftsführer in dem Lokal war, in dem am Abend zuvor die Prä-Reggae-Party stattgefunden hatte. Er schien Redebedarf zu haben und wollte mit mir seine Einsichten über die Wirtschaft des Landes teilen. Wieso so früh, ärgerte ich mich noch. Ich hätte mir ja denken können, dass ich würde ausschlafen wollen. Aber gut, abgemacht war abgemacht. Ehe ich loskam, wusste ich jedoch schon, dass ich zu spät kommen würde. Sily hatte gemerkt, dass er sein eingetauschtes Geld nicht mehr in der Hosentasche hatte, weshalb ich ihm erst noch half, das Haus abzusuchen. Es musste ihm Taxi aus der Hosentasche gefallen sein, vermutete er. Als ich dann endlich zur Straße eilte, konnte ich mir ein gewisses inneres Judgement nicht verkneifen. Wer war denn so fahrlässig und verlor sein ganzes Geld im Auto… Ich stieg in das erste geteilte Taxi. Der Fahrer und die Frau auf dem Beifahrersitz waren nett, wir unterhielten uns kurz, bevor ich aussteigen musste. Ich holte mir noch einen Kaffee, bevor ich mich in das nächste Sammeltaxi setzte – und merkte, dass meine Hosentaschen verdächtig leer waren. Kein Handy. Ich durchsuchte auch meine Tasche – nix. Also schnell wieder zurück nach Hause, der Termin war jetzt egal. Vielleich hatte ich es ja dort noch liegen lassen. Fehlanzeige. Sily rief meine Nummer an, es klingelte. Dann fünf Minuten später: Mailbox. Jemand musste das Handy im Taxi gefunden und ausgeschaltet haben. Das hieß nichts Gutes. Ich verbrachte also den Nachmittag auf dem Polizei-Revier, um den Vorfall zu melden. Der diensthabende Polizist notierte meine Daten unter Anweisung des Vorgesetzten („Den roten Stift! Nicht den schwarzen. Beschwerden immer mit dem roten Stift.“ – „Ich weiß, ich hab ja auch den roten Stift genommen.“ – „Das ist gut. Letztes Mal hat jemand einen Fehler gemacht. Dabei sage ich immer der rote Stift für die Beschwerden.“ – „Hat er den falschen Stift genommen?“ – „Ne, alles hier in rot.“). Dann versicherte man mir, man würde sich zwecks Tracking mit meinem Netzwerkbetreiber in Verbindung setzen (ich hatte natürlich dummerweise keine Ortung aktiviert). Sonst konnten sie aktuell erstmal nichts mehr für mich tun.
Ich ging zum Schwarzmarkt. Ich hatte schon öfter gehört, dass dort mache gestohlenen Dinge weiterverkauft wurden, also warum nicht mein Glück versuchen. Ich arbeitete mich durch alle Handyläden durch, während ich so tat, als würde ich ein Handy kaufen wollen. Aber schließlich unterbreitete mir einer der Händler, der mich durchschaut hatte, die Erkenntnis, dass ich es so nicht finden würde. Entweder, sagte er, würde es ins Ausland gebracht werden, wo es nicht geortet werden konnte oder als Ersatzteil-Lager verkauft werden, da man die eingeloggte ICloud nicht mehr ohne weiteres umgehen konnte. Also versuchte ich es an einem anderen Tag nochmal auf diese Weise. Ich sagte den Handy-Verkäufern, dass die Polizei zu 100% von nichts erfahren würde und ich das Handy für mehr zurückkaufen würde, als es ggf. für Ersatzteile von jemandem angekauft worden war. Aber alle machten mir wiederum klar, dass es quasi unmöglich war, das Ding (ohne ‚Find my Iphone‘) wiederzufinden. Selbst wenn es jemand hier im Markt gekauft hatte, würde er wahrscheinlich nicht das Risiko eingehen, das zuzugeben.

Kleine Pause am Strand

Anderes Thema: Am vergangenen Sonntagabend im Alibaba hatte mich, während ich mit der Kamera unterwegs gewesen war, ein charismatisch-enthusiastischer Typ mit Jamaika-Kappe angesprochen. Er meinte, mit so einer guten Kamera sollte ich Musikvideos drehen. Damit könne ich hier in Gambia viel Geld verdienen. Er könne mich da mit ein paar Musiker:innen connecten. Und da ich eine weitere Einkommensquelle gerade ganz gut gebrauchen konnte, hatte ich gesagt, ich würde es mir überlegen. Wie wir ohne mein Handy in Kontakt blieben, weiß ich im Nachhinein auch nicht mehr. Wahrscheinlich hatte Sily seine Nummer auch genommen. Ich kaufte mir jedenfalls ein Tastenhandy und traf mich am Mittwochnachmittag mit ihm in einem Ort namens Busumbala, wo ich ein paar Sänger treffen sollte. Der Typ mit der Jamaika-Kappe, welche ein untrennbarer Teil von ihm zu sein schien, wie ich im Laufe der Zeit feststellen sollte, hieß Kevin und man konnte ihm seine 45 Jahre weder ansehen noch irgendwo an seinem eher jugendlichen Verhalten ablesen. Während er mit mir durch die Straßen lief, erzählte er beiläufig, er sei gerade erst seit einem Jahr wieder in Gambia, nachdem er sich als Jugendlicher auf den Weg nach Europa gemacht hatte. In der Schweiz habe er ein paar Jahre im Gefängnis gesessen und sei dann aus dem Hausarrest getürmt. Ich überlegte kurz, ob ich mich um meine Sicherheit sorgen sollte, aber als er mir erklärte, dass sein Strafmaß irgendwas mit Marihuana-Vertrieb und mangelhafter Kooperation seinerseits zu tun hatte, beschloss ich erstmal, ihm ein Stück weit zu vertrauen.

Ich hatte noch nie in meinem Leben ein ernsthaftes Musikvideo gedreht und geschnitten, abgesehen davon, dass ich auch ansonsten seit meiner letzten Projektwoche in der Schule kein Video für die öffentliche Wahrnehmung gedreht hatte. Aber hier saß ich nun, in einer gambischen Kleinstadt neben einem dubiosen Jamaika-Fan und wurde immer mehr Leuten als professionelle Videografin angepriesen. „Sie ist sehr gut“, versicherte Kevin jedem, der es hören wollte. Und auf meine gewisperten Einwände bezüglich meines Mangels an Erfahrung, hatte er immer die passende Antwort. „Du machst das schon.“, „Deine Kamera ist super.“ Und „Für den Preis hilfst du den Künstlern hier sowieso schon viel weiter.“
Und so verabredeten wir als erstes schon mal ein erstes Musikvideo für den kommenden Freitag mit drei Artists, die gerade erst anfingen mit ihrer erhofften Musikkarriere. Ihr Budget war dementsprechend auch begrenzt, aber das galt ja auch für meine Erfahrung in diesem Feld, weshalb ich das nur fair fand.

Am nächsten Tag stand noch der zweite Teil eines Fotoshoots für eine Modelagentur an, die mich durch die Fashionweek gefunden hatte und für die ich diese Woche 20 Models in verschiedenen Outfits und Locations fotografiert hatte (auch eine Prämiere für mich). Dann war Freitag. Ich hatte zuvor noch versucht, ein Kamera-Stativ oder Gimbal (mobile Halterung) für den Videodreh aufzutreiben. Zum Glück konnte mir da Alpha, der Videomensch, den ich auf der Fashionweek kennengelernt hatte, weiterhelfen. Am Morgen vor dem Dreh sollte er mir das Gimbal noch vorbeibringen. Der Morgen kam und wir trafen uns weitestgehend pünktlich an einer gut platzierten Tankstelle am Verkehrsknoten-Punkt namens „Turntable“, der in der nächsten Zeit mein Dreh- und Angelpunkt für Stadtverkehr und Verabredungen werden sollte. (Ich war mittlerweile zu einer Bekannten aus Dänemark umgezogen, die gerade für drei Monate hergekommen war.) So weit so gut. Sobald er das Gerät jedoch ausgepackt hatte, sahen die Dinge schon nicht mehr ganz so einfach aus. Das Gimbal, das ja eigentlich dazu gedacht war, die Bewegungen der aufmontierten Kamera smooth und reibungslos zu machen, verhielt sich nach dem Einschalten so, als sei es vom Teufel besessen. Es zuckte und ruckelte scheinbar ohne Grund hin und her und ratterte dabei wie ein stotterndes Maschinengewehr. Dass das nicht so sein sollte, konnte selbst ich erkennen und so schlug ich nach einer Weile vor, doch noch mal persönlich bei seinem Kollegen vorbeizugehen, der das Gerät wohl hauptsächlich benutzte und ihn nochmal drauf schauen zu lassen. Während der Fahrt, die natürlich doch deutlich länger war als „gleich hier um die Ecke“, zweifelte ich schon daran, dass heute durch meine Kraft irgendwelche Musikvideos gedreht werden würden. Bevor man mich mit so einem besessenen Kamera-Stock (den man auch noch an mehreren Achsen einstellen und austarieren musste) allein ließ, war es wahrscheinlich noch besser, ich stellte die Kamera auf einen stabilen Stuhl und ließ die Jungs drumherum tanzen.
Als wir dann im Studio waren, lichtete sich jedoch die Situation. Der Kollege montierte problemlos die Kamera und stellte alles aufeinander ein. Nachdem er mich dann noch ein paarmal ruhig durch die verbleibenden Schritte durchgeführt hatte, traute ich mir sogar fast selbst zu, das allein hinzukriegen. Die erste Hürde war geschafft. Ich machte mich also schnell auf den Weg, um Kevin an selbiger Tankstelle abzupassen.

Kleiner Gruß aus dem Affen-Park hier

Bevor es an den Dreh ging, hatten wir noch einen Programm-Punkt eingeschoben. Für einen Magazin-Beitrag über weibliche Beschneidung suchte ich noch nach älteren Frauen mit einer Haltung zu dem Thema und Kevin hatte jemanden aus seinem Viertel vorgeschlagen. Wir fanden die Frau im Innenhof ihres Hauses im Schatten sitzend, im Kreise ihrer Familie. Sie bat uns ins Wohnzimmer und auf die mit Schutzfolie überzogenen gold-beigen Polstersofas, wo ihr Kevin schließlich mein Vorhaben erklärte. Die Frau, die glühende Verfechterin der traditionellen Praxis war, hatte sogar für einige Jahre selbst Beschneidungen an jungen Mädchen durchgeführt, bevor sie sich in noch recht jungen Jahren eine Augenkrankheit zugezogen hatte. Wieso heutzutage manche Leute dagegen waren, konnte sie sich nur damit erklären, dass sie gekauft waren und westliche Interessen vertraten. Mit welchem Ziel, das fragte sie sich auch – schließlich ergaben sich für sie nur Vorteile durch die Beschneidung.
Während wir uns unterhielten, wobei Kevin ihr Mandinka übersetzte, kam einer ihrer Söhne herein. Er erzählte, er hätte gestern am Strand ein paar junge Männer aufgelesen, die mit ihrem Boot auf dem Weg nach Europa hier gestrandet waren. Er hatte sie mit nachhause genommen, damit sie sich erstmal ausruhen konnten. Als wir schließlich auf dem Weg nach draußen an dem Zimmer vorbeikamen, lagen sie allesamt komplett ausgeknockt da, wie versteinert.

Auf dem Weg zum Musikvideo dann, machten wir noch bei einer Freundin von Kevin Halt. Dort ließ ich mir nebenbei noch ein weiters Video aufschwatzen, was wir am nächsten Morgen für ihr soziales Projekt (eine Kunstschule für Jugendliche und Frauen) aufnehmen wollten. Die Tatsache, dass sich die Shoots und Shootings stapelten und bisher nichts davon bearbeitet war, während ich eigentlich direkt nach dem Wochenende bereits den nächsten Programmpunkt (Dakar Fashion Week) anstehen hatte, machte mich zwar leicht nervös, aber das würde schon irgendwie klappen. Vielleicht war das das Momentum, das es gebraucht hatte, um mich ins kalte Video-Wasser zu werfen und mir diese Skills endlich mal draufzupacken.

Das Musikvideo schließlich verlief fast wie am Schnürchen. Die paar Gimbal-Schwierigkeiten, ließen sich durch ein einfaches An-und-Ausschalten des Geräts beheben und die Jungs schienen glücklicherweise leicht zufriedenzustellen.

Nachdem Musikvideo half Kevin mir noch, einige Besorgungen zu machen. Es war schon wirklich praktisch, jemanden zu haben, der einem sowohl eine alte Beschneidungs-Befürworterin als auch einen mobilen Internet-Router besorgen konnte. Dann sammelten wir Sily am Turntable ein und Kevin stellte mich dort einem Bekannten von ihm vor, der helfen sollte, mein Handy zu tracken. Da dieser Pascal Drogenkommissar oder so was war, schien seine Polizei noch mal über mehr Befugnisse und Dringlichkeiten zu verfügen und er leitete direkt meine Daten an seinen Vorgesetzten weiter. Schließlich musste ich nur noch den Schlüssel organisieren, damit wir für heute endlich nachhause konnten. Allerdings waren die anderen zwei, Nana, die Freundin aus Dänemark und ihr Freund Alage, feiern gegangen und zwar ein Stückchen entfernt von hier. Glücklicherweise bot Pascal an, uns in seinem weißen Sportwagen mit britischer Lenkrad-Reglung (auf der rechten Seite), den er, wie es schien, ganz gern spazieren fuhr, dorthin zu fahren. Also kletterten Kevin und Sily auf die Rückbank und ich auf den britischen Beifahrersitz. Am Ziel angekommen sprang ich dann aus dem Auto und lief zügig die lange Auffahrt zu der Reggae-Party hinauf. Nana war anscheinend noch nicht da, also sagte ich ihr, ich würde direkt am Eingang auf sie warten. Es war die Reggae-Party, nach der ich die Woche zuvor schon das Reggae-Foto-Projekt hatte aufgeben wollen, freitags im Domino’s. Während ich so vor dem Eingang stand, kam dann ausgerechnet auch noch der Ober-DJ, mit dem ich von Anfang an auf dem falschen Fuß gestartet war. „Hey, ich hab dich gerufen, als du an mir vorbei gegangen bist“, fing er an. „Oh sorry, manchmal versuche ich, mich nicht so viel von Fremden auf der Straße anquatschen zu lassen.“ Dann fiel mir ein, dass mir sein Promotor am Vorabend des Handy-Verlusts seine Nummer gegeben hatte, ich mich ja dann folglich einfach nie gemeldet hatte. „Oh und nochmal sorry, ich habe mein Handy verloren.“ – Daraufhin er: „Ich weiß. Ich hab dein Handy.“ – „Excuse me?“– „Es ist ziemlich kaputt, aber es ist hier. Komm“, sagte DJ-Fireman und führte mich zu seinem Auto. Und ein Griff ins Handschuhfach beförderte dann doch tatsächlich ein sehr zersplittertes, aber sehr vertrautes Mobiltelefon hervor. – „Ist das nicht dein Handy?“ Dann erzählte er mir, er habe mich an jenem Montagmorgen des Handy-Vorfalls gerade angerufen, als eine unbekannte Frau drangegangen sei. Sie habe das Handy gerade auf der Straße gefunden, aber ein Auto sei drübergefahren, hätte sie ihm gesagt. Fireman habe ihr noch eine gewisse Summe Geld bieten und sie zu sich lotsen können, dann habe das Handy seinen Geist aufgegeben. Ich starrte ungläubig auf das Telefon. Außerdem hätte er mich erreichen wollen, um mich zu einem Festival im Senegal einzuladen und überhaupt sei das ja vielleicht das Zeichen, das es gebraucht hätte, um uns näher zusammen zu bringen. Er sagte noch ein paar mehr Sachen, von denen ich im Nachgang dieser überrumpelten Situation beschloss, mich auf den Subtext zu konzentrieren, dass er mich widererwarten doch cool fand, und die leichten Avancen, à la ‚Zeichen des Himmels‘ etc. die auch hindurchschimmerten, wie auch die zutrauliche Hand auf meiner Schulter, gepflegt zu ignorieren.

„Ihr glaubt nicht, was mir grade passiert ist“, eröffnete ich den dann sprachlosen Jungs schließlich im Auto. In den nächsten Tagen würden Bekannte von Pascal alle möglichen Teile des Handys austauschen, was zwar den Zugriff auf die Daten wiederherstellen würde, das Handy (dessen, was auch immer Wlan und Netzwerk regelte, komplett kaputt war) jedoch nicht mehr wirklich benutzbar machte. Auch damit konnte ich mich abfinden. Aber das war später, Jetzt, auf dem britischen Beifahrersitz, hielt ich nur ungläubig Schlüssel und Handy in der Hand und lächelte selig in mich hinein.

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